Heidanei, mir Schwoba!
Schwäbische Dorfgeschichten


Vorwort
Das Dahin stürmen der Zeit ist unaufhaltsam. Schon
morgen wird „das Heute“ unwiederbringlich in die Vergangenheit
verwiesen, auch wenn es sich noch weit in die Zukunft hinein
auswirken mag. Jeder Tag hat seine besondere Geschichte, angefüllt
mit seinem ganz eigenen Leben, seiner Trauer, seinen Sorgen und
seinem Lachen, oft völlig unabhängig von der großen Weltgeschichte.
In meinen kleinen Geschichten soll vor allem das Lachen
vergangener Tage weiter klingen. Als man sie mir erzählte, fühlte
ich, dass sie aufgeschrieben werden müssen, damit sie nicht dem
Vergessen anheim fallen können.
Wie die Zeit die Menschen prägt,
so prägen umgekehrt auch die Menschen die Zeit. Und in ihren
Geschichten sprechen uns die Menschen mit einem fröhlichen
Augenzwinkern an, indem sie uns einen flüchtigen Einblick in ihr
Leben gewähren.
Format: 13 x19 cm Bindung: Klappenbroschur Umfang: 132 Seiten Preis: 14,90 Euro
Leseprobe:
Dr Guschtav ond d` Frieda
Dr Guschtav goht leidenschaftlich gern zu Beerdigonga. Des isch
zwor en onserm Flecka, wo jedr en jeda kennt, sowieso Pflicht
ond Ährasach. Abr dr Guschtav hot selbr gsait:„I gang ällaweil gern zua ra Leich, solang s`net mei oigana ischt!“
Es ischt ja au no nia ebbes Schlechts gwea, wann mr seine Pflichta au a positiva Seite abgwenna ko. Ond so lässt dr Guschtav nia a Beerdigong naus - es sei denn, wenn dui Leich akkurat auf en Tagesausflugstermin fällt. Mr kennt direkt saga, des sei`s greschte Hobby vom Guschtav ond seiner Frieda. En Omnibusausflug ens Ländle. Dr`fier läßt`r gwieß a jeda Leich sprenga, oder mendeschtens schiergar a jeda.
Heit Morga sent se wiedr los. En ganzer Bus voler alde Leitla. Auf noch Blaubeira! S`geit nex scheners, als wia en`ra luschtiga Gsellschaft ganz neababei au no sei Bildong a weng aufz`päppla. Do bsuacht mr dr beriehmte Blaudopf ond`s Kloschtr ond älle Sähenswürdigkeita. Nadierlich wird ausgiebig g`speist und dronka ond g`songa ond g`lacht. Ond no gohts scho wiedr weitr! S`wird oim net langweilig. Mr hot tatsächtlich kaum Zeit fr`s Klo. Jo, des ischt dr Frieda beinoh zom Vr`hängnis worra. Se hot kurz bevor sich dr Bus wiedr hot auf dr Hoimweag macha wella, ganz dringend a stills Örtle g`suacht. Ond net glei g`fonda! Ond wias dr Deifl will, au no dr`vor en`ra langa Schlang ostanda miaßa! Abr no koi Sorg, dr Frieda hot`s scho grad no g`langat.
Doch enzwischa sen älle Tagesreisende eigstiega gwea, ond dr Busfahrer hot sein Terminplan eihalta und losfahra wella.

„Halt amole!“ hot
do dr Guschtav g`schriea,
„mei Frieda fählt jo no! Wart no g`schwend! No et hudla! Se muaß
äll Augablick komma!“
No hot`r aufmerksam durchs Feasch`tr nausguckt, ob sei Weib et
gau kemt. Der ischt schier vr`bobbarat. Dr Busfahrer hot scho dr
Motor g`startet. Do hot dr Guschtav endlich sei Frau oms Eck rauscha
g`seah.
„Komm!“,
hot`r auf `gregt g`schria ond wild mit de Ärm g`rudlat:
„Komm, Alda, sau!
Alda, sau! Sau! Sau!!!“

